Spätestens, wenn Sie mit Ihrem Kind zur Vorsorgeuntersuchung U4 kommen, werden Sie mit dem Thema ‚impfen’ konfrontiert. Vermutlich werden Sie sich aber schon viel früher Gedanken dazu gemacht haben. Es gibt wohl unter Eltern kaum ein Thema, das kontroverser diskutiert wird. In Zeiten des Internets sind viele Mütter und Väter einer Fülle von Informationen ausgesetzt und haben die schwierige Aufgabe, sich eine Meinung darüber zu bilden. Deswegen wollen wir Sie hier so ausführlich und vor allem so verständlich wie möglich über das Thema informieren. Diese Aufklärung soll als Grundlage für ein Impfgespräch dienen.
‚Geimpft’ wird unser Immunsystem praktisch von der ersten Lebensstunde an. Das Immunsystem, auch das von neugeborenen Säuglingen, erkennt die Umgebungskeime (Viren, Bakterien) als fremd und beginnt, gegen diese sogenannten Antigene nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip Antikörper zu bilden. Diese Antikörper, bzw. die Fähigkeit sie zu bilden, werden vom Immunsystem gespeichert, man spricht auch vom ‚immunologischen Gedächtnis’. Antikörper sind in der Lage, Erreger unschädlich zu machen, indem sie sich fest an sie binden, sie quasi anketten, bevor sie Körperzellen befallen können. Bei einer Impfung wird eine geringe Menge eines unschädlich gemachten Erregers, bzw. nur Teile davon, in den Muskel (i.m.) gespritzt. Das Immunsystem erkennt diesen Erreger (=Antigen) als fremd und bildet spezifische Antikörper dagegen. Das immunologische Gedächtnis speichert diese Information eine gewisse Zeit, so dass bei Kontakt mit dem echten, krank machenden Erreger, gleich passende Antikörper gebildet werden können, bevor es zum Ausbruch der Erkrankung kommen kann.
Viele Eltern schrecken davor zurück, einen kleinen Säugling im 3. Monat bereits impfen zu lassen. Oft befürchten sie, der Körper sei noch zu unreif und würde eine Impfung nicht verkraften.
Es gibt jedoch einige gute Gründe dafür, die erste Impfung mit 3–4 Monaten zu beginnen.
Zum einen ist der sogenannte Nestschutz dann nicht mehr vorhanden. Was bedeutet das? Das Baby erhält während der Schwangerschaft über das Plazenta-Blut mütterliche Antikörper. So hat es einen gewissen Schutz, auch vor Tetanus, und vielen anderen Erkrankungen, gegen die die Mutter Antikörper besitzt. Allerdings halten diese Antikörper nur etwa 3 Monate und bieten keinen 100%-igen Schutz vor Infektionen.
Wenn ein Baby mit 3 Monaten immer gesund war (leichter Schnupfen ausgenommen), dann wissen wir auch, dass es Antikörper bilden und somit auch auf eine Impfung entsprechend reagieren kann. Es gibt einen seltenen Immundefekt, bei dem die Kinder von Geburt an gar keine Antikörper bilden können. Diese Kinder erkranken bereits in den ersten Lebenswochen an schwersten lebensbedrohlichen Erkrankungen. Ist 3 Monate lang alles in Ordnung, können wir davon ausgehen, dass das Immunsystem ordentlich funktioniert und auch eine Impfung gut beantwortet. Der Säugling wird ja durch Keime in der Umgebung tagtäglich ‚mehrfach geimpft’. Das Immunsystem hat also schon gut trainiert und ist reif und kompetent genug, um eine Impfung gut zu verarbeiten.
Ein weiterer Grund, mit 3 Monaten erstmals zu impfen, ist der frühe Schutz vor Krankheiten, die besonders kleine Säuglinge gefährden. Vor allem der Keuchhusten (Pertussis) kann für Kinder im ersten Lebensjahr lebensbedrohlich sein. Da Keuchhusten-Infektionen häufig sind, weil sie vielfach durch nicht geimpfte Erwachsene und ältere Kinder in Umlauf gebracht werden, ist ein früher Schutz davor wichtig.
Die meisten Impfungen müssen mehrfach verabreicht (= aufgefrischt) werden. Bei der ersten Impfung werden erstmals spezifische Antikörper gebildet, allerdings bei den meisten Impfungen noch nicht in ausreichender Menge. Bei der zweiten Impfung kennt das Immunsystem den Erreger bereits und bildet gleich viel mehr Antikörper, das immunologische Gedächtnis funktioniert also immer besser. (Wie beim Vokabeln lernen: Beim ersten Durchgang bleiben nur wenige Vokabeln hängen, erst durch Wiederholung werden die Vokabeln im Gedächtnis verankert.)
Man muss Impfschäden unterscheiden von leichten Impfreaktionen, die häufig nach einer Impfung auftreten können. Das sind: Vorübergehende Unruhe, meist bis zu drei Tagen nach der Impfung, Fieber, Schwellung/Rötung um die Impfstelle herum. Diese Reaktionen sind harmlos und vergehen von ganz allein wieder. Ein echter ‚Impfschaden’ ist eine bleibende Schädigung und tritt in einer Häufigkeit von 1 : mehreren Millionen auf. Das Risiko jedoch, durch eine Erkrankung, gegen die geimpft wird, einen bleibenden Schaden zu erleiden oder gar daran zu versterben (Meningokokken, Masern, Pneumokokken!) ist um ein Vielfaches höher!
Nein! Das Immunsystem ist daran gewöhnt, sich tagtäglich mit vielen verschiedenen Erregern in der Umgebung gleichzeitig auseinanderzusetzen. Das geschieht von Geburt an, jeden Tag. Eine 5‑fach- oder 6‑fach-Impfung ist also keine Überforderung für den Körper. Würde man gegen jede Erkrankung einzeln impfen, so wären sehr viel mehr Piekser notwendig.
Auch diese Meinung ist sehr verbreitet. Doch es gibt ganz klare Fakten, die dagegen sprechen. Beispielsweise wurde die Bevölkerung der ehemaligen DDR nahezu komplett durchgeimpft, im Gegensatz dazu war die Impfbeteiligung der BRD im gleichen Zeitraum viel niedriger. Die Häufigkeit von Allergien war jedoch in der DDR viel niedriger. Wenn ein Kind Allergien oder eine Neurodermitis entwickelt, dann steht diese Veranlagung bereits bei seiner Geburt auf seinen Genen geschrieben. Wann das erstmals ausbricht, ist sehr verschieden. Das können Infekte sein, aber auch nach einer Impfung wird das Immunsystem stimuliert und es kann zur Verschlechterung einer Neurodermitis kommen. Dies sind jedoch nur vorübergehende Erscheinungen und treten bei Stress oder eben Infekten genauso auf.
Ein Kind sollte nur geimpft werden, wenn es gesund ist. Ein harmloser Schnupfen oder Husten ohne Fieber darf allerdings sein, das belastet das Immunsystem nicht zusätzlich. Sollte aufgrund einer schweren Infektion der Abstand zwischen den Impfungen jedoch viel größer sein, ist das auch kein großes Problem. Das Immunsystem vergisst nichts.
Grundsätzlich sind die meisten der von der STIKO empfohlenen Imfpungen sinnvoll. Unsere Empfehlung enthält nur kleine Abweichungen. In Ihrem gelben Untersuchungs-Heft sind in der Regel die verschiedenen Impf-Zeitpunkte vorn eingetragen. Auf die Bedeutung der jeweiligen Erkrankung und deren Impfung gehen wir im persönlichen Impf-Gespräch ausführlich ein.
Abschließend noch eine ganz wichtige Botschaft: Wir klären Sie so gut wie möglich über Risiken auf und geben Empfehlungen ab. Egal, wie auch immer Sie sich als Eltern entscheiden: Wir respektieren Ihre Entscheidung, wie und wann Sie Ihr Kind impfen lassen möchten.
NeurodermitisDarunter versteht man eine Entzündung der Haut, meist in Form von umschriebenen stark juckenden und geröteten Ekzemen. Die Haut ist meist sehr trocken und schuppig. Je nach Alter des Kindes sieht sie unterschiedlich aus. Je nach Stadium der Erkrankung ist die Haut nur trocken und gerötet. Sie kann aber auch, ausgelöst durch bakterielle Superinfektionen nässend und krustig und dann auch äußerst schmerzhaft sein. Eine Neurodermitis verläuft außerdem immer schubweise. Phasen mit z.T. völliger oder relativer Beschwerdefreiheit wechseln sich ab mit oft plötzlich einsetzender Hautverschlechterung.
Typisch ist ein deutlicher Juckreiz, abhängig von der Schwere der Neurodermitis kann der sehr quälend sein. Durch Kratzen kann es zu offenen, nässenden Stellen kommen, die sich dann immer auch bakteriell superinfizieren. Kleine Säuglinge sind durch den Juckreiz sehr unruhig, schreien viel. Aber auch ältere Kinder sind geplagt, schlafen schlecht und sind unkonzentriert.
Neurodermitis ist übrigens eine sehr häufige Erkrankung. Jedes 10. Kind hat eine mehr oder weniger starke Neurodermitis, wobei es freilich große Unterschiede in der Ausprägung gibt. Bei einem milden Verlauf ist die Haut einfach sehr trocken, und es kommt nur gelegentlich zu umschriebenen Ekzemen oder einzelnen Pusteln. Viel seltener sind zum Glück die sehr schweren Verläufe, die meist schon im ersten Lebensjahr beginnen und den ganzen Körper betreffen.
Ob ein Kind eine Neurodermitis bekommt, steht schon auf seinen Genen geschrieben. Mit dieser Veranlagung kommt man auf die Welt. Oft ist auch ein Elternteil mehr oder weniger davon betroffen. Auslöser für einen akuten Neurodermitis-Schub können auch Allergien sein, ganz oft ist bei kleinen Säuglingen das Kuhmilchprotein mitverantwortlich. Das Immunsystem produziert dann viele Botenstoffe, die in der Haut zu einer Entzündung führen. Auch ein schwerer Infekt oder eine Impfung kann zu vorübergehender Verschlechterung einer Neurodermitis führen. Die Ursache für eine Neurodermitis ist eine Impfung jedoch nicht. Deswegen sollten auch Kinder mit Neurodermitis ganz normal geimpft werden. Die Neurodermitis gehört zu den typischen ‚atopischen Erkrankungen’ , wie auch ein allergisches Asthma bronchiale. Viele Kinder mit einer Neurodermitis neigen daher auch zu einem Asthma, wo sich ähnliche Entzündungsreaktionen an der Bronchialschleimhaut abspielen.
Beim kleinen Säugling beginnt die Neurodermitis meist im Bereich im Gesicht, am Dekolltee, hinter den Ohren, kann sich aber auch auf den ganzen Körper ausbreiten. Bei älteren Kindern sind vor allem die Ellen- und Kniebeugen betroffen, sowie die Handgelenkinnenseiten. Der Windelbereich ist fast nie betroffen, durch den schützenden Harnstoff im Urin.
Die Behandlung einer Neurodermitis steht auf zwei großen Säulen: Die eine Säule ist eine intensive rückfettende Pflege! Dadurch wird die Hautbarriere verbessert, Juckreiz und der Bildung von Ekzemen vorgebeugt. Wir nehmen uns für diese Beratung sehr viel Zeit, denn nicht jedes Kind mit Neurodermitis braucht die gleiche Hautpflege. Abhängig von der Jahreszeit und der individuellen Haut versuchen wir, die bestmögliche und verträgliche Pflege auszusuchen. Vorbeugen, aber auch lindern kann man auch durch bestimmte Textilien, welche die Krankenkassen in der Regel zumindest teilweise erstatten. Kommen Allergien hinzu (nach denen wir immer suchen), sollten diese natürlich nach Möglichkeit gemieden werden. Eine umfangreiche Ernährungsberatung ist dann natürlich ganz wichtig. Die zweite Säule der Behandlung ist die Therapie. Auch diese ist, je nach Ausbreitung und Stadium der Neurodermitis sehr verschieden. Wichtig ist es, bei offener und entzündeter Haut antiseptisch zu behandeln und die Staphylokokken-Bakterien zu beseitigen, denn die verschlimmern die Entzündung. Das kann durch lokale Umschläge oder auch antiseptische Bädern geschehen. Für leichte Ekzeme mit mäßigem Juckreiz gibt es gute pflanzliche Salben-Präparate, die durchaus ausreichend sind. Bei einer schweren Neurodermitis sind jedoch punktuell und nur für eine gewisse Zeit auch anti-entzündliche Cremes wichtig, denn nur diese können dann den Teufelskreis durchbrechen, den starken Juckreiz lindern und zur Abheilung bringen. Das sind Wirkstoffe, die dem Cortison ähnlich sind, aber in ihrer Zusammensetzung auf die Haut abgestimmt. Welche Präparate dafür infrage kommen, entscheiden wir ganz individuell. Für das betroffene Kind ist dann dieses Präparat ein Segen, es nicht einzusetzen, halte ich für Quälerei.
Ich habe einen guten Kontakt zu einer Neurodermitis-Fachklinik im Allgäu, wohin ich Kinder mit einem sehr schlimmen Verlauf auch gern mal schicke. Sie können dort stationär akut aufgenommen werden und bekommen eine optimale auf sie zugeschnittene Therapie.
Für die Behandlung und Betreuung von Kindern mit schwerer Neurodermitis nehme ich mir viel Zeit, denn die Beratung ist hier für eine erfolgreiche Therapie und Prophylaxe sehr wichtig. Es ist durchaus möglich, auch einem Kind mit einer sehr schweren Neurodermitis eine gute Lebensqualität zu ermöglichen!
Plötzlich eintretendes Erbrechen, meist gefolgt von Durchfall, wird in der Regel durch einen Virus hervorgerufen.
Die meisten Kinder kommen mit diesen Maßnahmen daheim gut zurecht, die Symptome klingen in der Regel nach wenigen Tagen ab.
Meist handelt es sich um eine Infektion mit Madenwürmern. Sie sind Parasiten, die im Darm des Menschen leben. Obwohl sie alle Altersgruppen infizieren können, kommen sie besonders häufig bei Kindern vor. Sie sind kein Zeichen für einen niedrigen Hygienestandard in einer Familie! Wurminfektionen sind übrigens viel häufiger als man glaubt — man sollte nur bei entsprechenden Beschwerden daran denken und die einfache Diagnostik durchführen (s.u.)
Die Infektion kann von Mensch zu Mensch oder über den Staub übertragen werden. Die Wurmweibchen kriechen nachts aus dem After und legen ihre Eier (ca.10.000) im Bereich der Analfalten ab. Dort führen sie zu Juckreiz und werden durch Kratzen mit den Fingern aufgenommen. Dadurch gelangen sie häufig wieder in den Mund, und ein Kreislauf beginnt.
Madenwürmer sind extrem widerstandsfähig und können 2–3 Wochen in Möbeln, Kleidern oder Spielsachen überleben
Der sicherste Nachweis erfolgt durch ein ‘Tesapräparat’: Früh morgens wird ein transparenter breiter Tesafilmstreifen auf den After geklebt, wieder abgezogen und dann auf einen Glas-Objektträger geklebt. Unter dem Mikroskop können dann die Wurmeier nachgewiesen werden. Eine Stuhluntersuchung ist nicht immer zuverlässig! Oft sind Würmer auch mit bloßem Auge im Stuhl zu erkennen (ähneln kl. Stücken eines weißen Nähgarns)
Vermox 1Tbl. täglich über 3 Tage , nach 14 Tagen Therapie wiederholen, danach nochmals Wurmeiernachweis mit einem Tesafilmsteifen.
O D E R
Helmex Kautbl. einmalig 10mg/kg
Evtl. bei Entzündungen (Anal- und/oder Scheidenbereich) Sitzbäder mit Kamille.
Oft sind symptomfreie Familienmitglieder ebenfalls befallen, so dass eine Untersuchung nach gleichem Vorgehen und bei Bedarf eine entsprechende Parallelbehandlung sinnvoll ist
Wir bieten den Oxyurien-Test (Tesapräparat) bei Erwachsenen als IGEL-Leistung für 7 Euro an.